Der Ring der Nie Bezwungenen

Erzählung, 208 Seiten, 50 vollseitige Farbfotografien, Sax-Verlag, 1. Auflage Mai 2021, Hardcover, Format 12 x 18 cm, 19.90 €

ISBN 978-3-86729-265-8

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Hannes Franzmann, Verlagsmitarbeiter, reist zu einem Kongress nach Leipzig. Es ist das erste Jahr der Pandemie, die Ausgangsbeschränkungen sind kurzzeitig aufgehoben. Bei einer Stadtführung entlang des Promenadenrings lauscht er den Erzählungen des Gästeführers. Endlich wieder unter echten Menschen. Luft spüren. Stadt riechen und sehen und hören.

Leipzigs reiche Vergangenheit voller europäischer Kulturgeschichte wirft Licht auf die Fragen der Gegenwart. Sind Franzmanns Überlegungen, die als zweite Stimme einen imaginären Dialog entflammen, gar ein Pamphlet gegen den technischen Fortschrittsglauben?

Sein Gespräch mit einem Kollegen an der Hotelbar wird zum Plädoyer für etwas, das ihnen beiden am Herzen liegt. Die alte Buchstadt Leipzig, sie ist noch immer da. Und in den Tiefen der Nacht erfährt Franzmann, was es wohl auf sich haben könnte mit dem Bezwingen.

In meinem Ausweis steht Hannes Franzmann. Meine Freunde nennen mich Han. Ob ich das bin, weiß ich schon lange nicht mehr. Wenn man überhaupt etwas ist, dann ist man, was man tut. Ich arbeite für eine große Verlagsgruppe und kümmere mich vor allem um internationale Verträge. Es gibt im Konzern keine Bücher, die es nicht gibt. Meine Leidenschaft gehört der Geschichte und der jungen Belletristik, auch wenn ich mit diesem Begriff für Literatur nie etwas anfangen konnte. Er klingt genau nach dem Gegenteil dessen, was er bezeichnet.

Als wir nach der wochenlangen Isolierung wieder hinaus konnten, bevor es schlimmer wurde und vieles richtig zusammenbrach, fuhr ich zu einem Kongress nach Leipzig. Ich reiste einen Tag früher an und entschloss mich zu einem Stadtrundgang am Nachmittag. Ich reise zu vielen Kongressen und Tagungen, muss an unzähligen Sitzungen teilnehmen. Deshalb nutze ich ein Mikrofon und die Aufzeichnungen dann als Memo. Ich kann mich selbst damit aufnehmen, und andere Geräuschquellen in recht weiter Entfernung. Im Flüsterton mache ich mir Notizen in Echtzeit, während ein anderer spricht. Ideal. Für den Stadtrundgang habe ich mir das Teil ans Revers gesteckt. Um Erlaubnis für die Aufnahme habe ich nicht gefragt. Ich frage nie um Erlaubnis.

Vor wenigen Tagen hörte ich in die Leipziger Tondatei hinein. Es hat mich gleich wieder gepackt wie am Tag der Führung selbst. So habe ich mich entschieden, Minute um Minute alles niederzuschreiben und das Stimmengeflecht in einen nachvollziehbaren Text zu entwirren und weiter darüber nachzudenken und auch das aufzuschreiben. Ich weiß nicht, wieso. Ich weiß nicht, für wen. Es musste sein. [...]